Die bewegende und bewegte Geschichte der Höhlenbeleuchtung
in der Charlottenhöhle

von Eduard Geisser

Die erste Beleuchtung (1893-1902)

Die Beleuchtung der Charlottenhöhle hat eine interessante Geschichte. 10 Jahre vor der Entdeckung unserer Höhle gab es bereits eine erste Höhlenbeleuchtung, und zwar in der Kraushöhle in der Steiermark. Ab dem Jahre 1883 lieferte ein Kleinkraftwerk den Strom für diese erste elektrisch beleuchtete Höhle der Welt. Dieser Versuch musste jedoch nach einigen Jahren wegen technischer Schwierigkeiten und aus Kostengründen wieder abgebrochen werden. Heute erfolgen die Führungen wieder mit Karbidlampen. Ähnlich ging es 1891 in der Gußmannshöhle in Gutenberg bei Lenningen, die Lebensdauer dieser Beleuchtung war gerade drei Monate.

Am 20. August 1893 wurden dem Hürbener Gemeinderat von den Herren Ing. Paul Reisser Elektroanlagen Stuttgart und Herrn Direktor Schröder von der Daimler Motorengesellschaft Cannstatt die Vorzüge einer elektr, Beleuchtung für eine so großartige Naturschönheit vorgestellt. Die Kosten für die Anlage wurden mit 7000 – 7500 Mark veranschlagt, der Motor für die Stromerzeugung sollte 5800 Mark kosten. Noch in der gleichen Sitzung wurde der Auftrag erteilt. Zwei Bedingungen stellte jedoch der Gemeinderate: Die Anlage sollte innerhalb 14 Tagen fertiggestellt sein, und ein Jahr Garantie gegeben werden. Bei Kosten von insgesamt 15000 Mark und einem Jahresetat der Gemeinde Hürben von 13200 Mark musste ein Kredit von 13100 Mark aufgenommen werden. Die tatsächliche Fertigstellung war am 17. September 1893.

Die technischen Daten dieser ersten Beleuchtungsanlage:

  • Daimler Motor Nr. 410,
  • 10 PS
  • 4Zylinder mit je 110 mm Bohrung, 160 mm Hub, 470 U/min
  • Gewicht 510 kg wassergekühlt
  • Verbrauch etwa 7 l Benzin/h
  • Glühkopfzündung
  • Dynamo: 105 V Gleichstrom mit Nebenschlussregulator
  • 2 blanke Kupferleitungen je 95  mm² bis zur Höhle.
  • 570 m Erdkabel, Zuleitung zu 89 Lampen mit der Kerzenstärke 5, 10 und 16.
  • Eine Kerze entsprach etwa 1 Watt. Der tatsächliche Stromverbrauch war aber wesentlich höher.

Als die Königin Charlotte am 23. September 1893 zur Einweihung erschien, wurden zusätzliche 149 Edison-Kohlefaden-Glühlampen installiert; 69 davon farbig für die Buchstaben CH. Hier wurde geklotzt und nicht gekleckert, wie es so schön im Epplen'schen Bericht heißt.

15000 Besucher waren 1893/1894 in der Höhle. Nicht an allen Tagen war die Höhle zu besichtigen. War eine Gruppe angemeldet, musste neben dem Höhlenführer auch ein ausgebildeter Maschinist die Anlage bedienen. Der Reiz des Neuen verblasste und die Instandhaltung und der Betrieb waren sehr teuer.

 

Neubau und Betrieb durch Friedrich Föll (1905-1935)

Der Schuldenstand 1901 belief sich immer noch auf 6250 Mark. Eine Lösung dieser Schuldenangelegenheit brauchte aber nicht mehr gefunden zu werden, denn am 3. Juni 1902 brannte das Maschinenhaus restlos ab. Der Schaden war zwar versicherungsmäßig abgedeckt, dies setzte aber den Wiederaufbau voraus. Daran wollten die Räte der Gemeinde nicht mehr denken, und eine billigere Lösung wurde gesucht. Von nun an wurde die Höhle nur noch mit Kerzen begangen. Die Eintrittspreise wurden halbiert und eine Weiterführung des Höhlenbetriebes war auf dem absoluten Tiefpunkt gelangt.

Da erinnerte einer der Gemeindeväter, dass Friedrich Föll, Besitzer der Gaststätte zur Charlottenhöhle, schon 1903 einen Antrag auf pachtweise Überlassung der Höhle gestellt hatte. Am 3. August 1905 wurde diesem Antrag auf eine Pachtdauer von 30 Jahren, also bis zum 31. März 1935, zugestimmt. Böll hatte die Restschuld zu übernehmen, die Stromerzeugung neu zu bauen und die Beleuchtung bis zum Höhlenende zu verlängern. Dafür ging die Anlage in seinen Besitz über und er brauchte keinen Pachtzins zu bezahlen.

Im März 1906 reicht Föll ein Baugesuch für ein neues Maschinenhaus ein. Die Anlage sah wie folgt aus:

  • 4-Takt Einzylinder Otto Motor mit  magnetelektrische Niederspannungszündung
  • Fabrikat DeutzTyp E 12 Nr.:385334
  • Baujahr 1904
  • 12 PS bei 280 U/min, Bohrung 210 mm, Hub 399 mm
  • Hubraum 10,4 l
  • Gewicht mit Schwungrad und Riemenscheibe 2100 kg
  • Dynamo: Maschinenfabrik Esslingen Typ K5 Nr.:2259
  • Gewicht 540 kg, 110 V, 80 A und 8,8 kW Gleichstro
  • Ausführung der hinteren Hälfte von Siemens/Schuckert

Im Jahre 1910 wurde Hürben an das Drehstromnetz angeschlossen. Dies reichte aber nicht bis zur Höhle, die Entfernung war zu groß. 1919 stellte Föll die Eigenproduzierung von Strom ein und ließ auf eigene Kosten eine Stromleitung von der Trafostation zur Höhle legen. Anschluss 220 V. Vor Ablauf der Pachtzeit wurde durch die MÜAG eine Schätzung der elektrischen Anlage durchgeführt, da diese bei Nichtverlängerung des Vertrages von der Gemeinde zurückgekauft werden musste. Der Schätzwert belief sich auf circa 6500 Mark. Aus der Einzelaufstellung erfahren wir, dass 188 Lampen für 220 V installiert waren. Die Freileitung bestand aus 1775 m Aluminiumseil  mit einem Querschnitt von 50 mm².

Betrieb und Beginn der Umrüstung durch die Gemeinde (1935-1960)

Herr Föll beantragte bei der Gemeinde eine Pachtverlängerung. Hoppla! dachten die Räte Hürbens, es muss also doch etwas verdient sein, man verlängerte nicht und übernahm die Beleuchtung für 2600 Mark. Diese Beleuchtung, eine Mischinstallation von 1893 und 1906 blieb nun bis 1960 in Betrieb. Dieser Zeitraum ist in Anbetracht des feuchtnassen Höhlenklimas eine bemerkenswerte Sache, auch wenn, ich zitiere Robert Epplen, es hier und da an den Schalttafeln elektrisierte und Hunde auf elektrisierenden Bodenstellen in Panik gerieten.

1952 wurde in Hürben die Stromspannung auf 220/380 V umgestellt. Bei dieser Gelegenheit wurde bis zur Gaststätte eine 4adrige Freileitung gebaut. Die Höhle selbst hing jedoch immer noch an 2 Drähten. Ein nicht ganz ungefährliches System. Noch hingen die Lampen wie in einem Kellergang an den Eisenstangen, aber auf Initiative von  Bürgermeisters Bosch (er muss viel für die Höhle übrig gehabt haben) begann man 1957 auf eine indirekte Beleuchtung umzurüsten. Weg mit den Eisenstangen, weg mit den Isolatoren und die Kabel verschwanden getarnt in Ritzen und Fugen. Man gab sich sehr viel Mühe um eine möglichst blendfreie Ausleuchtung zu bekommen. 

Die Höhle bot ein völlig neues Bild.

Weitere Modernisierungen (1965-2011)

An der Lampenanordnung ist bis heute fast nichts geändert worden. Bei dieser Aktion wurde gleichzeitig eine 4adrige Zuleitung zur Höhle gezogen und die Messeinrichtung von der Höhle wurde in die 1950 erbaute Turn und Festhalle verlegt. Um Strom sparen zu können wurde die sogenannte Grundbeleuchtung und eine zugeschaltete Hauptbeleuchtung eingerichtet. Sogar an die Sicherheitsbeleuchtung im Falle eines Stromausfalls wurde gedacht. Wie sah diese aus? An jedem Schaltkasten hing ein mit Kork verschlossenes Rohr, in dem sich eine oder zwei Kerzen befanden. Das Mitführen einer trockenen und gefüllten Zündholzschachtel war Pflicht für jeden Höhlenführer.

Der gesamte Beleuchtungsumbau wurde in bezahlter Gemeinschaftsarbeit vorwiegend in den Abend und Nachtstunden ausgeführt. Der Hürbener Elektromeister Willy Schlumpberger stand als Fachmann zur Verfügung und ein Bezirksmonteur der MÜAG überwachte die Arbeiten. Erwähnenswert ist zu sagen, dass Bürgermeister Bosch bei den Arbeitseisätzen selbst Hand anlegte. Im Frühjahr 1965 waren die Arbeiten abgeschlossen. 203 Lampen und 2 Strahler waren installiert. Aber… Was geschah nun? Die Lampen, die ja nun viel näher an die feuchte Felswand herangerückt waren, begünstigten durch Wärme und Licht das Wachstum von Algen, Moosen und Farnen.
 
Erst rückte man mit Vim und ATA diesem Phänomen zu Leibe. Der Aufwand war groß. Nun denn… wir haben eben eine Schauhöhle. Am 1. Januar 1972 wurde Hürben nach Giengen eingemeindet und etwa seit dieser Zeit ist für alle Schauhöhlen das Landesbergamt in Freiburg und der TÜV zuständig. Von da an wurde an den Höhlenbetreiber neue Forderungen gestellt, zum Beispiel der Austausch aller im Höhlenboden verlegten NYM Kabel gegen NYY Kabel und der Einbau einer Notbeleuchtung, unabhängig vom Stromkreis gespeist, sowie der Einbau von Fehlerinduktionsschaltern an den Verteilern. Wiederum eine recht teure Angelegenheit. Glücklicherweise wurden damals vom Land für touristische Einrichtungen Fördermittel von 50 % angeboten.
Nach Fertigstellung beliefen sich die Gesamtkosten auf 115000 DM.

So waren alle zufrieden, nur….. wir, die Betreiber der Charlottenhöhle nicht. Das Höhlenklima nagte an der Technik ununterbrochen. 
Ständige Licht- und Stromausfälle und ein enormer Glühbirnenverschleiß waren die Folgen. Eine Generalerneuerung der gesamten Anlage mit neuer Lichttechnik und optimalem Stromverbrauch, das war unser Wunsch.

Im Jahr 2011 wurde er mit der neuen LED-Beleuchtung Wirklichkeit.

 

Video zum Einbau der LED-Beleuchtung für die Charlottenhöhle 2011

ein Film von Eckhard Baschin